HDR-Fotografie

© Peter Spoerry

HDRI High Dynamic Range Imaging

Kaum ein anderes Thema wird derzeit in der Fotoszene und in Fotografieforen so heiss diskutiert. Damit kommt auch kein Fotograf darum herum, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Da sich dieser Artikel nicht primär an Fachpublikum sondern an meine Kunden und Interessenten wendet, versuche ich das Thema so verständlich wie möglich zu machen.

Jeder Fotograf, ob Amateur oder Profi kennt das Problem. Die wundervolle Stimmung des Sandstrandes oder des Alpenpanoramas wirkt beim Betrachten zuhause auf dem Computer nur noch jämmerlich und bringt nichts von der Stimmung rüber. Das liegt oft nicht am fehlenden Können des Fotografen, sondern ist physikalisch begründet.

Die heutigen CCD- oder CMOS-Sensoren aller Digitalkameras sind nicht in der Lage, so enorm viele Farbabstufungen aufzunehmen, wie es das menschliche Auge kann. Ja, es ist vergleichsweise sogar sehr wenig.

© Peter Spoerry

Suche nach Lösungen.

Seit Beginn der Digitalfotografie, anfangs der 90er-Jahre, haben die Sensoren der Digitalkameras einen ungeheuren Entwicklungsprozess durchlebt. Die Auflösung und die Konstruktion von Sensoren sind extrem verbessert worden. Die Auflösung der Sensoren haben ein Limit erreicht, würde man sie nochmals erhöhen, würden die Objektive nicht mehr mithalten können. Bei Kleinbildsensoren liegen die spitzen Profiboliden bei einer Auflösung von 36 MP (Nikon D800) – und beim Mittelformat bei ca. 22 bis 60 MP (Hasselbald H4D-60). Moderne Objaktive sind heute optotechnische Meisterwerke und befinden sich nahe am physikalischen Limit bezogen auf die Abbildungsleistung. Erklärung: Das Licht durchläuft im Objektiv und in der Kamera mehrere Linsen und mehrere stehende Luftsäulen unterschiedlicher Temperatur. Dabei wird Licht mehrfach auch ungewollt bebeugt (Lichtsteuung) und hat kurz vor dem Auftreffen auf den Bildsensor eine andere Qualität als vor dem Eintritt in die Linse. Auch Objektive haben so gesehen eine Auflösung bzw. eine Auflösungsleistung – ist diese geringer als jene des Sensors, so kommt es zu Qualitätseinbussen beim fertigen Bild.

Wenn zwar betreffend die Auflösung die Sensoren der Profi-Boliden dem Film mit seiner lichtbrechenden Trägerfolie und der körnigen Filmemulsion überlegen sind, so sind sie es betreffend die Wiedergabe des Tonwertumfanges leider noch lange nicht. Und das ist bisher wohl die grösste Einschränkung bei der Digitalfotografie.

Der Wunsch, Sujets so wiederzugeben, wie das Auge sie sieht, oder wie der Fotograf sein Bild vor seinem inneren künslerischen Auge sieht, ist so alt wie die Farbfotografie selbst. Durch die digitale Bildbearbeitung wurde anfänglich experimentell an einer Lösung gearbeitet. Die Überlegung war und ist folgende: Wenn ein Bildsensor den Tonwertumfang einer Szene nur sehr eingeschränkt wiedergeben kann, so könnte man doch mit mehreren Aufnahmen auf die unterschiedlichen Helligkeitsbereiche innerhalb einer Szene belichten. Also, ein Bild optimal auf die hellsten Bereiche, ein anderes auf die Mitteltöne und noch eines auf die Schattenbereiche belichten, und diese so genannte Belichtungsreihe dann in einem Bildbearbeitungsprogramm übereinanderlegen und sich gegenseitig verrechnen lassen. Je nach dem zu fotografierenden Sujets und meinem Anspruch als Fotograf, werden meine Belichtungsreihen mit bis zu 9 Bildern mit abgestufter manueller Belichtung erstellt. So auch bei den beiden Fotografien in diesem Beitrag.

Das Verrechnen der Belichtungsreihe (HDR-Tonemaping) erfolgt beim mir mit der HDR-Sofrware Nik-HDRFX und die finale Endretusche und Nachbearbeitung in Adobe Photoshop . Die unzähligen Bearbeitungsschritte, die der Fotograf in der Postproduktion beim HDR-Tonemapping vornehmen kann, erlauben sowohl extrem realistische wie auch expressionistisch anmutende Fotografien. Welche Variante besser gefällt entscheidet der Fotograf genauso wie er entscheidet ob ein Bild letztlich schwarzweiss oder farbig sein soll.

Grenzen der HDR-Fotografie.
Die Tatsache, dass der Fotograf mehrere absolut deckungsgleiche Bilder (bis zu 9 Bilder) von einem Sujet aufnehmen muss, führt dann leider auch zu gewissen Einschränkungen betreffend die Sujetauswahl. So darf sich die Szene während dem Aufnahmeprozess nicht verändern. Sich bewegende Menschen, Tiere oder Blätter im Wind führen zu so genannten Geisterbildern, die dann, wie in einer klassischen Mehrfachbelichtung, auch mehrfach sichtbar werden. Diese bei der Retusche zu entfernen ist sehr aufwändig und würde fast jedes Budget sprengen. Daher eignet sich die HDR-Fotografie vor allem für Landschaftaufnahmen, für Architektur/Innenarchitektur und Still Life im Allgemeinen. Dort aber spielt HDRI sein ganzes Potenzial aus und erstaunt mit überwältigenden Ergebnissen.

Erlaubt ist was gefällt
Es gibt zwei Lager mit unterschiedlichen Meinungen zum Thema HDR und Tonemapping. Die Konservativen lehnen jegliche Bildbearbeitung, mit Ausnahme der Grundretusche, ab. Dem stimme ich zu, wenn es um Juornalismus und dokumentarische Fotografie geht, wo die Bildmaipulation der Täuschung eines Sachverhalts dienen soll. Werbefotografen und Fotografen mit einem künstlerischen Anspruch sind offen für alles, was dazu dient, die Bildaussage zu optimieren und einen faszinierenden Bildeindruck zu erschaffen.



Quelle: youtube.com


Voraussetzung für Profis
Der wichtigste Faktor für Profifotografen ist, neben der gut sortierten Fotoausrüstung und der geeigneten Software, der EBV-Arbeitsplatz im Studio. Ohne Color Management mit ICC-Profilen, Spektralfotometer und hardwarekalibriertem Monitor, ist HDRI zwar stark eingeschränkt möglich, gleicht aber betreffend die Ausgabe (Monitor, Belichtungen, Papierdrucke, Offsetdruck, Internet, Multimedia usw.) einem Blindflug bei Nacht mit defekten Instrumenten. Regelmässiges und zetiaufwändiges Kalibrieren aller Geräte in gesamten Workflow ist daher Bestandteil des Fotografenhandwerks geworden. Der Amateurfotograf der nicht an Standards für medienneutrale und farbverbindliche Produktion gebunden ist, kommt mit einem zeitgemässen Rechner und der gängigen Software gut zurecht und erreicht auch damit gute webtaugliche Ergebnisse.

HDRI und 360° Panoramafotografie. Ein starkes Gespann.
Den verblüffendsten Effekt erreicht HDRI in der 360°-Panoramafotografie. Dies besonders darum, weil Panobilder vor allem online betrachtet werden, wo ein RBG-Bildschirm deutlich mehr Farbabstufungen wiedergeben kann als ein auf Papier gedrucktes Bild. Die interaktive Rundumsicht und die Möglichkeit, ins Bild hinein zu zoomen, ist für viele Benutzer/innen sehr attraktiv und erlaubt spielerisch, sich im Raum umzusehen. Was es da alles zu entdecken gibt. Dinge, die selbst dem Fotografen erst im Atelier, bei der digitalen Bildentwicklung erstmals auffallen, sind faszinierend und lassen den Benutzer im Bild umherwandeln.


Auch das ist HDR-Fotografie
Bilder und Panoramen bei denen man HDR wegen der ungewöhlich natürlichen Anmutung nur vermutet, sind das Ergebnis eines subtilen Einsatzes der HDR-Fotografie.

Dom von Arlesheim II


Interessant für die Werbung
Wenn man bedenkt, dass Werbeagenturen die Verweil- bzw. die Betrachtugnsdauer ihrer Schöpfungen mit Augenkameras und der Stoppuhr auf Millisekunden genau messen lassen, und diese Laborwerte als enorm wichtig einstufen, dann belegen interaktive Panoramen immer die ersten Plätze. 1 bis 3 Sekunden (!!) Verweildauer auf einer Anzeige sind schon sensationell gut. In der Regel schaffen Anzeigen (online oder Print) gerade mal eine Betrachtungszeit von 0 bis 1/20 Sekunden. 1 bis 3 Minuten sind Standardwerte für gut gemachte interaktive 360° Panoramabilder. Beachtenswert ist zudem die Tatsache, dass z.B. Hotels die Ihre Zimmer und Suiten im Web mit interaktiven 360° Panoramabildern zeigen, eine Buchungszunahme von bis zu 49% verzeichnen können. Das ist zumindest erstaunlich und schlägt damit sämtliche anderen Werbemassnahmen um Längen.

Der Aufwand für professionelle HDR-Panoramen ist im Vergleich zur traditionellen Aufnahme deutlich höher. Bis zu 114 Einzelbilder belichtete ich für meine 360°-HDR-Panoramen. Teilweise sehr lange Rechenzeiten je nach Bearbeitungsvorgang sind erforderlich, um letztlich das gewünschte Ergebnis erreichen zu können. Meine Panoramen erreichen eine Auflösung von bis zu 242’000’000 Pixel (242 Mega-Pixel). Eine gute Amateur-Spiegelreflex-Kamera kommt gerade mal auf etwa 6 bis 10 Mega-Pixel. Die 45’000.- Euro teuren Pixelboliden der Profis (z.B. Hasselblad) haben eine Auflösung von 50 Mega-Pixel.

Die Kombination von HDR-Fotografie und 360° Panoramafotografie gehört zu den technisch anspruchsvollsten Aufgaben, die Fotografen derzeit lösen dürfen. Sowohl seitens der Aufnahmetechnik, wie auch seitens der Postproduktion, sind so viele Einzelheiten zu bewältigen, dass viele Fotografen es gleich ganz bleiben lassen. Es werden letztlich nicht sehr viele sein, die sich diesem Thema mit Herzblut widmen und diese Leistung kommerziell auf professionellem Niveau anbieten können. Zu zeitaufwändig und zu kostspielig ist die Lern- und Einarbeitungsphase für output orientierte Fotografen. Ich habe mich mit HDR-Fotografie und 360° Panoramafotografie über 2 Jahre intensiv auseinandergesetzt, bis ich das erste HDR-Foto für einen Kunden und den ersten HDR-Panorama-Auftrag ausgeführt habe. Durch die Optimierung von Equipment und Workflow, mit zunehmender Erfarhung und Routine, kann ich heute HDR-Fotos und HDR-Panoramen zu einem sehr interessanten Preis anbieten, der nur geringfügig über dem herkömmlicher Auftragsarbeiten liegt.


Nutzen Sie den FULL SCREEN MODE für das volle Panoramaerlebnis!


Was kostet ein HDR-Foto – was ein 360° HDR-Panorama?
Ein HDR-Foto kostet etwa 25% mehr als ein konventionelles Low-Dinamic-Range-Image. Unabhängig davon, ob es eine Studioproduktion ist oder eine vor Ort.

Die Kosten für ein 360° HDR-Panorama kann man nicht so einfach beziffern. Auch wenn es Anbieter gibt, die Billig-Panos für 500 Franken anbieten die insgesamt aus nur 3 Aufnahmen mit einem “Circular Fisheye” bestehen und dadurch über eine sehr schlechte Auflösung verfügen, ist mein Anspruch ein anderer. Ich arbeite nicht so oder so um einen möglichst billigen Zielpreis realisieren zu können, sondern stimme für jedes HDR-Foto bzw. HDR-Panorama alle erforderlichen Parameter auf das vom Kunden und von mir gewünschte visuelle Ergebnis ab. Die Preise für 360° HDR-Panoramen liegen je nach Aufwand zwischen CHF 780.- und CHF 2500.-, inkl. Flash-Dateien und Viewer-Scripte sowie die entsprechende HTML5 Version für iPhone und iPad.

Dem Thema HDR-Panoramafotografie werde ich mich im einem separaten Artikel widmen. Abonnieren Sie auf der rechten Seite den News-Feed dieses Blogs und Sie sind immer auf dem laufenden, welches Thema gerade behandelt wurde.

Die beiden Artikelbilder oben wurden aus 9 deckungsgleichen Belichtungen erzeugt. In Nik-HDRFX das 32Bit-HDR-Bild erstellt, die Anmutung und Bildaussage optimiert und die Daten durch Tonemapping auf 16 Bit heruntergerechnet. Danach wurde in Adobe Photoshop die finale Retusche durchgeführt.



Alle gezeigten Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Für jegliche Verwendung ausserhalb dieser Website muss eine Lizenz gekauft werden.

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